Oberstudiendirektor Dr. Robert Diensberg – Anekdoten aus 33 Jahren Aktivität bei Jugend forscht

Stiftung Jugend forscht e. V. | August 2014

Der Leiter des Jugend forscht Regionalwettbewerbs in Koblenz erinnert sich

Dr. Robert Diensberg beim Regionalwettbewerb 2006 in Koblenz

Regionalsieger 2012 mit Oberbürgermeister und Wettbewerbsleiter

Mein erster Kontakt mit Jugend forscht

"Sagt Ihnen Jugend forscht etwas?", fragte mich der Schulleiter des altsprachlichen Görres-Gymnasiums in Koblenz bei meiner Einstellung als Biologie- und Chemielehrer im August 1980. "Ja", antwortete ich, und mir dämmerte etwas: Im Studium hatte der Professor in der Vorlesung "Anorganische Chemie" im Wintersemester 1968/1969 eines Tages uns etwa 300 Erstsemestern den Sieger im Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften eines Jugend forscht Wettbewerbs vorgestellt. Und er empfahl den angehenden Lehrerinnen und Lehrern unter uns diesen von der Zeitschrift stern initiierten naturwissenschaftlich-technischen Schülerwettbewerb für die Arbeit an der Schule.

"Dann können Sie ja die Aufgabe der Kollegin als Jugend forscht Betreuer übernehmen, die jetzt in Elternzeit geht", verkündete mein künftiger Chef. "Sie werden dann von Hamburg aus weiter informiert."

Engagement als Projektbetreuer

Bereits wenige Wochen nach meiner "Beauftragung" meldete sich der Siebtklässler Dieter mit der Frage: "Wenn man SO2 und H2O2 addiert, kommt dann H2SO4 heraus?" Für mich als Chemielehrer war das eine komische Frage. Dieter bekam die Gelegenheit, seine Vermutung experimentell zu überprüfen. Und tatsächlich, er erhielt ca. 30-prozentige Schwefelsäure. "Damit könnte ich doch bei Jugend forscht teilnehmen", war seine Schlussfolgerung. Gesagt, getan. Die schriftliche Ausarbeitung wurde termingerecht abgeschickt und auf die versprochene Information gewartet.

Eines Donnerstags gegen 19 Uhr rief mich Dieter zu Hause an. Er solle am nächsten Tag beim Jugend forscht Regionalwettbewerb in Kaiserslautern starten. Da ich selbst in dem 40 km entfernten Mendig wohnte, informierte ich umgehend per Telefon eine Kollegin in Koblenz, der es noch gelang, die erforderlichen Materialien bereitzustellten. Eine Mitfahrgelegenheit bot das Eichendorff-Gymnasium, das mit mehreren Arbeiten in Kaiserslautern an den Start ging. Freundlicherweise halfen Betreuer und Jungforscher dieser Schule dem völlig unvorbereiteten Dieter bei der Erstellung eines Präsentationsplakates. Lohn der Hektik: Dieter wurde sogar Dritter, was ihn zu weiteren Teilnahmen inspirierte. Als promovierter Physiker machte er sich später selbstständig.

Auf meine Anfrage bei der Geschäftsstelle der Stiftung Jugend forscht e. V. in Hamburg, weshalb ich als Projektbetreuer nicht informiert worden sei, lud mich der Neuwieder Regionalwettbewerbsleiter Günther Heubgen zu einer Fortbildung ein. Wichtigste Erkenntnis daraus war für mich: Was bei Jugend forscht gefordert ist, können die Schüler meines Görres-Gymnasiums auch - und bei drei Wettbewerbsprojekten gibt es 500 DM für die Schule.

Bereits in der darauf folgenden Wettbewerbsrunde 1982 starteten fünf Schülerinnen meiner Schule in drei Gruppen beim Regionalwettbewerb in Neuwied. Der Einfachheit halber, und weil es im Februar morgens noch dunkel war, packte ich sie alle zusammen in meinen Ford Fiesta und fuhr sie zum Wettbewerb. Beeindruckt von den Ständen der übrigen Teilnehmer rechneten wir uns nur geringe Chancen aus.

Umso größer war die Freude, als die Achtklässlerinnen Birgit, Monika und Simone für ihre Beobachtungen zu Hunden im Tierheim einen Sonderpreis erhielten. Gaby mit ihrer Penicillinisolierung aus verschimmeltem Brot errang in der Alterssparte Jugend forscht den ersten Platz im Fachgebiet Biologie, und Utha mit ihrer Untersuchung der roten Blütenfarbstoffe wurde Regionalsiegerin im Fachgebiet Chemie.

Auf die Frage des als Juror tätigen Betriebsarztes des Patenunternehmens Lohmann, was sie denn einmal studieren wolle, nannte Gaby das Fach Medizin. "Dann begrüße ich meine zukünftige Kollegin", war die anerkennende Antwort des Jurors. Er sollte Recht behalten, denn Gaby arbeitet als Internistin in Koblenz. Auch Utha blieb ihrem Fach treu. Sie lehrt heute Organische Chemie in Kalifornien.

Die Freude in der Schule war groß, die Freude beim Betreuer nicht minder. Etwas erschrocken war ich allerdings, als die nächste Ausgabe der Schülerzeitung erschien. Am Ende einer ausgiebigen Schilderung des Wettbewerbs stand der Satz: "Das Schönste an dem ganzen Wettbewerb aber war, dass uns Herr Dr. Diensberg nach dem Aufräumen am Abend in der Chemievorbereitung eine Flasche Sekt ausgab!" Man kann sich leicht vorstellen, worauf ich als Projektbetreuer in den Folgejahren besonders geachtet habe.

Zu meiner großen Freude errang das Koblenzer Görres-Gymnasium von 1982 bis 2013 jedes Jahr den rheinland-pfälzischen Schulpreis für drei, mittlerweile fünf, eingereichte Wettbewerbsarbeiten.

Wie ich die Bekanntschaft von "Dr. Niewo" machte

Gleich die erste der sieben Jugend forscht Teilnahmen meines Schülers Christian Bauer führten uns Mitte der 1980er Jahre zum neu gegründeten Regionalwettbewerb in Trier. Während der Siegerehrung bedauerte der damalige Wettbewerbsleiter Rainer Kramer, dass man für einen der Jungforscher keinen Sonderpreis habe.

Da ertönte hinter uns eine kräftige Stimme: "Thomas, zieh!" Ich drehte mich um und sah zwei Herren, einen hageren großgewachsenen und einen ebenfalls großen, aber sehr kräftig gebauten, die Streichhölzer zogen. "Thomas, du hast verloren, du zahlst das Jahresabonnement", rief Letzterer, und mit einem lauten, ansteckenden Lachen zog der Verlierer sein Portemonnaie und signalisierte damit, dass es doch noch den verdienten Sonderpreis geben würde.

Wie sich später herausstellte, waren die beiden "Spieler" zum einen der damalige Patenbeauftragte des Regionalwettbewerbs Bitburg, Dr. Thomas Niewodniczanski, in Jugend forscht Kreisen nur kurz und anerkennend "Dr. Niewo" genannt, und zum anderen der erste Braumeister bei der Bitburger Brauerei, Wilhelm Hagemann. Beide engagierten sich seinerzeit auch als Juroren beim Wettbewerb.

"Tut Gutes und redet darüber" – seit 1987 als Regionalwettbewerbsleiter

Bereits bei meinem zweiten Einsatz als Regionalwettbewerbsleiter - damals fand der heutige Regionalwettbewerb Koblenz noch in Lahnstein statt - wurde deutlich, dass die beständig steigende Zahl an Jungforscherinnen und Jungforschern zusätzliche Förderer notwendig machte, um die erhöhten Kosten stemmen zu können. Der Patenbeauftragte der Firma Zschimmer & Schwarz, Dr. Eberhard Schwarz, nahm mich deshalb mit zu einem Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden seiner Hausbank.

Nach einer ausführlichen Erläuterung der Ziele und Vorteile von Jugend forscht fragte dieser mich plötzlich: "So, Jung (der Jung war gerade 40 Jahre alt geworden!), du willst also Geld von meiner Bank! Und was tust du für meine Bank? Wir sind nämlich nicht in der Kirche, wo die Linke nicht wissen darf, was die Rechte gibt. Wir sind in der freien Wirtschaft. Da heißt es: Tut Gutes und redet darüber!"

Seit diesem Gespräch gibt es beim Jugend forscht Regionalwettbewerb in Koblenz stets ein sogenanntes Gemeinschaftsgeschenk mit den Logos aller Förderer. In der Regel ist es ein nützlicher Gegenstand, bei dem garantiert ist, dass er für längere Zeit im Fokus steht, so zum Beispiel eine Zettelbox, eine Schreibtischunterlage oder eine Kaffeetasse.


  •  2 Klicks für mehr Datenschutz: Erst wenn Sie den Schalter aktivieren, wird der Button aktiv und Sie können Ihre Empfehlung an ShareNetwork senden. Schon beim Aktivieren werden Daten an Dritte übertragen.
  •  
  •  
  •  
  • Zum Seitenanfang