Kreativ & kryptisch
Jugend forscht Alumni-Festschrift | Juni 2006
Kurios bis spannend – Projekttitel aus 40 Jahren Jugend forscht
Es geht um Töne und wie sie wahrgenommen werden. Eigentlich ganz einfach. Trotzdem nennt Peter Ruzicka sein Jugend forscht Projekt etwas kryptisch "Eine neue Theorie der progressiven Abhängigkeit der konsonanten Schwingungsproportionen aufgrund binauraler Hörversuche und Modell eines Binauraltonspektrums". Damit gewinnt er 1968 nicht nur den ersten Preis im Fachgebiet Physik, sondern hätte auch gute Chancen auf die Auszeichnung "längste Umschreibung für eine einfache Arbeit".
Die längsten Wörter in einem Projekttitel dürften die "Rotwangenschmuckschildkröte" von Hans-Dieter Bienert und Uwe Fritz, 1. Preis Biologie 1981, und die "Ionenpolarisationsresonanz" von Ernst-Ulrich Hasse aus dem Fach Chemie mit 27 bzw. 26 Buchstaben sein – getoppt nur noch von den "Irreduzibilitätsuntersuchungen", denen sich die Mathematiker Ulrich Mansmann und Jürgen Hescheler hingegeben: 30 Buchstaben. Absoluter Rekord!
Drei lange Wörter – drei Projekte vom Wettbewerb 1978. Zufall? In dieser Häufung genauso wahrscheinlich, wie alle drei Wörter auf Anhieb korrekt auszusprechen? Eher nicht, früher waren die Titel komplizierter. Wenn sich in der 40-jährigen Geschichte des Wettbewerbs hier ein Trend herauskristallisiert, dann der zur zunehmenden Verständlichkeit. Grund mag die fortschreitende Professionalisierung der Teilnehmer in Sachen Vermarktung sein – schließlich nimmt auch das Medieninteresse zu. Oder ist es der schlichte Wunsch, nach Nennung der Forschungsfrage nicht ausnahmslos in irritierte Gesichter zu blicken? So oder so, im Laufe der Jahre geben sich die jungen Forscher Mühe, hochwissenschaftliche Arbeiten auch dem nicht so wissenschaftlichen Publikum nahe zu bringen. Der Titel ist ein Anfang.
Elke Tröller, die 1991 "Die Ursache des Bitterwerdens von Milchprodukten bei Zusatz von Ananas" erforscht, gewinnt den Preis des Bundeskanzlers. Bekanntes Problem, verständlicher Titel, der Kanzler ist begeistert, muss nie wieder bittere Quarkspeise löffeln. So einfach kann Forschung sein. Zehn Jahre später reichen einzelne Worte, um ganze Arbeiten zu überschreiben. "Projekt Wolke" etwa, mit dem Sebastian Abel in Geo- und Raumwissenschaften gewinnt. "Spektec", das chemische Siegerprojekt aus dem Jahr 2004, ist noch kürzer beschrieben – obwohl in diesem Fall von "Beschreibung" wohl keine Rede mehr sein kann. Stattdessen gehört dieses Projekt zu einer ganz eigenen Kategorie von Titeln: Jugend forscht mit Kosenamen. So ist Sasha IV beileibe kein Hamster mit Stammbaum, sondern der Spracherkennungsrechner aus dem Jahre 1984 des heutigen PISA-Papstes Andreas Schleicher. Ein Kommunikations- und Steuersystem für Behinderte bekommt 1994 den Namen "KUSS". Klingt viel schöner und lässt sich – siehe oben – auch sicherlich besser verkaufen. Und PROTEUS (1991) klingt nicht nur irgendwie göttlich, sondern kann göttergleich und vollautomatisch komplizierte Sätze der Algebra beweisen.
Apropos Namen: Wissen Sie, wer oder was sich hinter Prunus domestica verbirgt? Es ist die Hauszwetschge. Und der beste Beweis, dass man bei Jugend forscht nicht allein mit einem innovativen Projekt gewinnt. Auch der kreative Titel der Arbeit sollte was hermachen.

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