Ein Leben für Bienen, Blumen und ein Walross

Stiftung Jugend forscht e. V. | Februar 2025

Heino Susott berichtet aus seinem bewegten Leben als Jugend forscht Projekbetreuer

Heino Susott mit Walross "Antje" und Jugend forscht Teilnehmern 1989

Heino Susott 2025 in seinem Haus in Hamburg

Nach seiner Schulzeit wäre Heino Susott gern Gärtner geworden – und wurde wegen seiner geringen Körpergröße entgegen der eigenen Erwartung prompt abgelehnt. Die Tierpfleger in Hagenbecks Tierpark dagegen sahen darin kein Problem. Sie trauten dem damals 14-Jährigen die Arbeit durchaus zu und fanden es praktisch, einen Lehrling zu haben, der zum Putzen in die kleineren Gehege hineinkriechen konnte. So wurde Heino Susott Tierpfleger im Hamburger Zoo und lernte dort in den ersten Jahren eine Vielzahl an verschiedenen Tieren kennen. Er war auch dabei, als 1976 ein kleines Walross in den Tierpark kam. Russische Fischer hatten das verlassene Jungtier auf einer arktischen Insel aufgelesen. Noch heute erinnert sich Heino Susott daran, wie ein halb verhungertes "Häufchen Elend" aus einer Hühnerkiste kroch. Gemeinsam mit dem Parkdirektor Claus Hagenbeck tüftelte er an einer optimalen Ernährung, die zuerst die Muttermilch und später die natürliche Kost der Walrosse ersetzen konnte. "Antje", wie sie bald genannt wurde, blieb bei Heino Susott, er zog sie auf und ersetzte ihr die Mutter. Von ihm ließ sie sich füttern und streicheln – und war bald wohlgenährt. 

Und in dem Maß, wie die Walrossdame wuchs und sich zu einer Hamburger Berühmtheit entwickelte, wuchs auch die Bekanntheit ihres Pflegers. Besonders bei Kindern waren seine öffentlichen Fütterungen beliebt, weil er gern sein Wissen teilte und lebhaft erklären konnte. So verwundert es nicht, dass Heino Susott eines Tages gebeten wurde, Teilnehmende von Jugend forscht bei ihren Forschungsprojekten im Tierpark zu begleiten. Die erste Projektgruppe bestand aus drei Mädchen, die sich 1983 daran wagten, Antjes Zähne zu vermessen und ihre Nahrung zu untersuchen. Dafür kam sogar ein Fotograf der Zeitschrift Stern in den Zoo, der das Ganze im Bild festhielt, denn Antje war seinerzeit als Maskottchen des NDR außerordentlich bekannt und beliebt. In den folgenden Jahren bis zu seinem Ruhestand 1998 war Heino Susott Projektbetreuer bei vielen weiteren Jugend forscht Projekten – mit den Pinguinen und Flamingos im Tierpark und nebenher auch mit Gänsen, Bienen und Pflanzen im "Umweltzentrum Karlshöhe". 

Dort verband er sein ehrenamtliches Engagement als Imker mit seinem Einsatz für Tiere, Pflanzen und die Nachwuchsförderung. Gemeinsam mit anderen Engagierten gründete er 1986 einen Verein, der das verfallene Gut im Hamburger Norden renovierte und zur Bildungsstätte "Umweltzentrum Karlshöhe" umbaute. Mitten auf dem Gelände liegt das Haus eines Imkervereins, dem Heino Susott jahrelang vorstand. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Elke legte er hier einen großen Schaugarten mit Stauden, Blumen, Kräutern und Gemüse an. Die beiden betreuten viele Jahre lang eine Jugendgruppe, die in dem von ihnen geschaffenen Biotop Gemüse zog und imkerte. Regelmäßig führten sie auch Gruppen aus Schulen, Kitas und Altenheimen und sogar eine Imkergruppe aus Indien durch den Garten, zeigten ihnen die Schaubienenkästen und warben für den Schutz der Insekten. 

Die Ehrenämter und auch die Bienen hat Heino Susott mittlerweile aufgegeben, um seine Frau Elke pflegen zu können. Auch das Einfamilienhaus in Hamburg, in dem die beiden leben, ist umgeben von einem großen Garten, in dem Heino Susott gern Gäste empfängt. Die Pflanzen in den Beeten sind beschriftet und direkt am Gartentor informiert ein Schaukasten über Jugend forscht und das Projekt, das Heino Susott aktuell betreut. Inhaltlich ist es eng mit einer neuen Hamburger Sehenswürdigkeit verknüpft – dem komplett umgestalteten Hochbunker auf dem Heiligengeistfeld. 

Seit einigen Jahren gilt Heino Susotts besonderes Interesse einer kleinen Zwiebelpflanze: dem Krokus. Aus Husum ließ er sich fast 2 000 Krokussamen schicken. In seinem Garten vermehrte er sie, die Pflanzen breiteten sich bis in die Nachbargärten aus und am Ende waren es so viele, dass ihre Menge ausreichte, um den "Bunker St. Pauli" zu bepflanzen. Der massive Flak-Hochbunker aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs war lange Zeit Sitz des NDR-Studios, in dem Heino Susott Tierfilme präsentierte. Bereits in den 1950ern hatte er davon geträumt, auf dem knapp 50 Meter hohen Gebäude einen Garten anzulegen. Als der Bunker dann 2022 tatsächlich mit einem Stadtgarten begrünt wurde, wandte sich Heino Susott an den Architekten des Umbaus. Mit der ihm eigenen Begeisterungsfähigkeit überzeugte er ihn von seinem Krokusprojekt und erhielt die Erlaubnis, das Schwertliliengewächs großflächig auf dem Bunker zu pflanzen. Seine Idee realisierte Heino Susott dann 2023 gemeinsam mit den Teilnehmenden einer Jugend forscht AG. In den kommenden Jahren wollen die Jungforschenden untersuchen, ob sich die Krokusse vermehren und welche Tiere sich in dem außergewöhnlichen Garten hoch über der Hansestadt ansiedeln. Unterstützt werden sie dabei von ihrer Biologielehrerin. 

Nach mehr als 20 betreuten Jugend forscht Projekten wird sich Heino Susott in naher Zukunft als Projektbetreuer zurückziehen, auch wenn es ihm schwerfällt. Doch was ihm den Schritt erleichtert, ist das Wissen, dass es immer noch so viele Lehrkräfte und Eltern gibt, die den Nachwuchs beim Forschen an Tieren und Pflanzen unterstützen. 

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