Unternehmen statt Uni

Stiftung Jugend forscht e. V. | 2006

Johannes Rietschel – Bundessieger Technik 1983

Johannes Rietschel

"Dedicated to making customers happy by providing innovative solutions" – das ist die Zielsetzung von Johannes Rietschels in Zürich ansässiger Firma Barix. Und genauso steht es daher auch auf der Homepage des Technologie-Unternehmens. "Happy" ist der 19-Jährige zunächst einmal selbst, als er 1983 zusammen mit seinem Mitstreiter Jan Ockert – beide aus dem hessischen Oberursel – den Bundessieg im Fachgebiet Technik beim Bundeswettbewerb Jugend forscht erringt. Diesen Preis und zusätzlich den Sonderpreis des Bundesministers für das Post- und Fernmeldewesen erhalten sie für ein verbessertes Graphic-Terminal für EDV-Anlagen.

EDV – um diesen Begriff dreht es sich schon früh in Rietschels Leben. Bereits im zarten Alter von zwölf Jahren beginnt er mit "ersten Übungen" am Computer. Als 15-Jähriger bringt er sich selbst im Hochschulrechenzentrum in Frankfurt einige Programmiersprachen bei. Er absolviert diverse Ferienjobs im Elektronik- und Softwarebereich und bastelt mit 16 Jahren schließlich seinen ersten Computer. Mit ihm gewinnt der Hesse 1979 prompt den zweiten Preis im Landeswettbewerb von Jugend forscht.
Weitere Teilnahmen an Europas größtem Wettbewerb für den naturwissenschaftlichen Nachwuchs folgen. Beispielsweise mit einer "intelligenten Fahrzeugsteuerung", die ein Lego-Auto mit Hilfe eines Infrarotstrahlers auf Kurs hält, oder mit der "sprechenden Braille-Schreibmaschine". Mit dieser Entwicklung will der junge Tüftler seinem erblindeten Großvater helfen – mit Erfolg. Und nebenbei verkauft er diese Schreibmaschine auch noch zu einem stattlichen Preis.

1983 – im Jahr seines Bundessieges – beginnt der angehende Nachwuchswissenschaftler schließlich sein Studium der Mathematik/Informatik und Japanologie in Frankfurt am Main. Gleichzeitig entwickelt Rietschel für das Europäische Weltraumkontrollzentrum in Darmstadt ein Grafikterminal für das Weltraumlabor Spacelab. Der geschäftliche Erfolg wird größer. Die Zeit, die er für sein Studium aufwenden muss, nimmt jedoch ebenfalls zu. "Die Hochschule verliert vieles von ihrem schillernden Charakter, wenn man andere Lebensbereiche kennengelernt hat", erkennt Johannes Rietschel und beendet sein Studium ohne Abschluss.

Stattdessen leitet er die Entwicklungsabteilung einer Biotechnologiefirma. Was der mittlerweile 24-Jährige aber wirklich will, ist die berufliche Selbständigkeit. Folgerichtig gründet er 1987 die ProNet GmbH, die sich mit Computer-Netzwerken beschäftigt. Es folgen weitere erfolgreiche Firmen wie die ICARO Software GmbH oder die Acola Kommunikation und LAN-Technik GmbH.

Von sich selbst behauptet der Jungunternehmer einmal, ihn würde heute "kein Chef einstellen", denn er erfülle die formalen Kriterien einfach nicht. Dies dürfte einer seiner sehr wenigen Irrtümer sein. Denn als er im Oktober 1998 seine Firmen ProNet und Acola gewinnträchtig an den größten Mitbewerber in den USA, die Lantronix, Inc., verkauft, wird Rietschel als Chief Technical Officer (CTO) Angestellter dieses Unternehmens. Sein neuer Chef freut sich, denn als CTO beschert er dem Unternehmen innerhalb von nur zwölf Monaten ein Wachstum von rund 40 Prozent.

Bald jedoch meldet er sich wieder: dieser Wunsch nach Freiheit und Unternehmertum. 2001 kündigt Johannes Rietschel bei Lantronix und kehrt aus den USA zurück. Nach einer kurzen Vorbereitungsphase gründet er im April 2002 in Zürich ein neues Unternehmen: Barix. Seine neue Firma beschäftigt sich mit frei programmierbaren Netzwerksteuerungen für den Einsatz in Industrie- und Heimautomation. Hier versammelt der mittlerweile 39-Jährige einige der besten Köpfe der Branche, alles Spezialisten für die vernetzte Kommunikation zwischen Mensch und Maschine. Barix ist ein kleines, aber feines Unternehmen, denn nach Rietschels Einschätzung sind "große Unternehmen einfach zu starr und zu langsam, um aus Visionen Realität werden zu lassen".

Der Erfolg gibt ihm Recht. Sogar die Großen der Branche werden aufmerksam. So integriert beispielsweise Sony Business Europe im Mai 2004 die Barix-Technologie in ihre Angebotspalette für Überwachungs- und Kontrolllösungen in verschiedenen Einsatzgebieten. Neuester Coup des umtriebigen Technikers und Unternehmers ist die Eröffnung der Barix Technology Inc., in Saint Paul im amerikanischen Bundesstaat Minnesota. Von dort will er die Aktivitäten auf dem US-Markt besser steuern. Die Geschäfte laufen bestens. Im Zeitraum 2004 bis 2006 erreicht die Barix AG eine Umsatzsteigerung von 100 Prozent.

Trotz dieser vielen Erfolge bleibt Johannes Rietschel Jugend forscht verbunden. Das Alumni-Treffen 2006 in Jülich veranlasst ihn schließlich dazu, sich selbst aktiv in der Nachwuchsförderung zu betätigen. Dort trifft er nämlich auf Christian Arm. Der Bundessieger Arbeitswelt 2002 absolviert im Anschluss bei Barix zunächst einen Ferienjob. Mittlerweile ist er dort fest angestellt. Während der Vorlesungszeit arbeitet Arm allerdings nur in Teilzeit, um parallel sein Studium meistern zu können. Auch dieses Beispiel zeigt wieder einmal: Jugend forscht ist ein aktives Netzwerk, das Weichen fürs Leben stellt.


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