Schülerforschungszentrum: Startpunkt einer MINT-Karriere

Stiftung Jugend forscht e. V. | 2017

Patricia Asemann – Bundessiegerin Geo- und Raumwissenschaften 2015

Patricia Asemann und Robin Heinemann beim Bundeswettbewerb 2015

"Hier wird aus Rohmaterial ein geschliffener Diamant." Das sagt Patricia Asemanns Mutter über die Förderung am Schülerforschungszentrum Nordhessen (SFN) in Kassel. Im Fall ihrer Tochter trifft das voll und ganz zu. Als diese das erste Mal das Forschungszentrum für Schüler betritt, ist sie zwar grundsätzlich an mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächern interessiert, hält sich selber aber nicht für besonders begabt. Der Besuch des Schülerforschungszentrums eröffnet ihr eine neue Welt und motiviert sie, sich stärker mit diesen Themen zu beschäftigen. Sie meldet sich an und beginnt kurz darauf mit ihrer Forschung. Seitdem kann sie sich ein Leben ohne gar nicht mehr vorstellen und verbringt jede freie Minute mit der Arbeit an ihrem Projekt. Heute ist sie eine der erfolgreichsten jungen Forscherinnen Deutschlands und plant eine Karriere als Wissenschaftlerin im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich.

Schülerforschungszentrum Nordhessen

Das SFN, ein Kooperationsprojekt des Landes Hessen, der Stadt Kassel, des Landkreises Kassel, der Universität Kassel und der Albert-Schweitzer-Schule in Kassel, ist eines der bundesweit ältesten Schülerforschungszentren. Mittlerweile entstehen in ganz Deutschland immer mehr dieser außerschulischen Lernorte. Im SFN befassen sich Jugendliche der Klassenstufen 5 bis 13 mit konkreten naturwissenschaftlichen, mathematischen und technischen Fragestellungen und Projekten. Dabei werden sie von Fachberatern und Wissenschaftlern betreut. Den Jungforschern steht bei ihrer Arbeit eine umfangreiche Ausstattung zur Verfügung: Beispielsweise gibt es Technikräume, ein Chemielabor und sogar eine eigene Sternwarte. Diese Einrichtungen können sie jederzeit, Tag und Nacht, nutzen. Perfekte Bedingungen, um mit Spaß, Wissen und Kreativität naturwissenschaftliche Phänomene zu entdecken, sich untereinander auszutauschen und im Team zu arbeiten.

Von der Schülerin zu Jungforscherin

Von dieser besonderen Atmosphäre ist auch Patricia Asemann sofort begeistert, als sie mit ihrem Mathematikkurs eine Exkursion ins SFN macht. Im September 2013 meldet sie sich bei dem Leiter Herrn Klaus-Peter Haupt an und im gemeinsamen Gespräch entwickeln sie ihr Forschungsthema. Ein Wendepunkt im Leben der vielseitig begabten Schülerin. Zuvor hat sie einen Alltag wie die meisten Jugendlichen ihres Alters. Die Schule fällt ihr leicht und so schreibt sie in eigentlich allen Fächern gute Noten. Nebenbei spielt sie Volleyball, ist in der Musical AG der örtlichen Musikschule aktiv und trifft sich gerne mit Freunden. "Naturwissenschaften und Mathematik als Hobby fand ich eher uncool", erzählt die Schülerin rückblickend. Das ändert sich mit der Anmeldung am SFN. Seitdem forscht sie Tag und Nacht zu den Bahndaten von Planeten und tauscht sich mit den anderen Nachwuchswissenschaftlern aus. Große Fortschritte macht sie als Klaus-Peter Haupt ihr die Zusammenarbeit mit Robin Heinemann vorschlägt. Dieser bringt die nötigen IT-Kenntnisse mit, um ihre theoretischen Berechnungen in einer Simulation darzustellen. Fortan arbeiten die beiden gemeinsam an der Weiterentwicklung ihres Projekts.

Bindeglied zwischen Schule und Universität

Für ihre Forschungsarbeit erhalten Patricia Asemann und Robin Heinemann am SFN optimale Unterstützung. So wird ihnen unter anderem der Zugang zum Rechenzentrum der Universität Kassel vermittelt. Dort können die Schüler fortan ihre Simulationen berechnen. "Das hat einen riesen Fortschritt für unser Projekt bedeutet", sagt die Jungforscherin. Der Austausch zwischen Schülerforschungszentrum und der Universität Kassel erfolgt auch über die Betreuer, von denen viele studieren. Das Verhältnis zwischen Jungforschern und Projektbetreuern ist freundschaftlich, auf Augenhöhe. Und so ergibt es sich, dass Patricia Asemann die Hausaufgaben eines Mathematikstudenten liest und einen Fehler in dessen Berechnungen findet. Daraufhin nimmt dieser sie mit zu Vorlesungen an der Universität, die die Schülerin seitdem so oft wie möglich im Rahmen eines Bachelor-Frühstudiums besucht. Studenten und Dozenten freuen sich über die motivierte Schülerin, die durch ihr großes Interesse an mathematischen Fragestellungen auch bei den Professoren Punkten kann.

Das Ziel ist Jugend forscht

Patricia Asemann und Robin Heinemann wollen mit ihrem Projekt unbedingt bei Jugend forscht teilnehmen: "Für uns war die Anmeldung ein riesiger Ansporn. Jetzt hatten wir ein Ziel und noch mehr Motivation, an dem Forschungsprojekt zu arbeiten." "Bahndaten extrasolarer Systeme" lautet der Titel ihrer Arbeit, die sie am 30. November 2014, wenige Minuten vor Anmeldeschluss, zur Teilnahme einreichen. Sie präsentieren ein computerbasiertes Verfahren, mit dem sie die Entstehung eines Planetensystems aus den Staubscheiben simulieren können. Ihre aufwendigen Simulationen zeigen auch, dass - anders als in unserem Sonnensystem - sehr große Planeten einen Zentralstern in engen Bahnen umkreisen können und wann Planeten in Zweistern-Systemen ihre stabilen Bahnen verlassen. Das Projekt überzeugt die Jury zunächst auf Regional- und dann auch auf Landesebene, und so kann das talentierte Jungforscher-Duo Ende Mai 2015 beim 50. Bundeswettbewerb in Ludwigshafen antreten.

"Ein Hoch auf uns"

In Ludwigshafen schließen Patricia Asemann und Robin Heinemann schnell Freundschaft mit anderen Jungforschern: "Wir saßen die ganze Zeit zusammen und haben uns über unsere Projekte ausgetauscht." Gemeinsam erleben sie auch die Sonderpreisverleihung im Rahmen des Bundesfinales, bei der Patricia Asemann und Robin Heinemann den Preis für eine Arbeit auf dem Gebiet der Astronomie gewinnen. Bei den zweiten bis fünften Preisen in den Fachgebieten - die in diesem Jahr ebenfalls bei der Sonderpreisverleihung vergeben werden - gehen sie jedoch leer aus. Für das Team heißt das weiter zittern. Erst einmal genießen sie aber diesen besonderen Abend mit den anderen Finalisten - und mit Sänger Andreas Bourani, der live auf der Bühne seinen Ohrwurm "Ein Hoch auf uns" singt. Die feierliche Siegerehrung des 50. Bundeswettbewerbs von Jugend forscht findet am nächsten Vormittag im Feierabendhaus der BASF statt. In Anwesenheit von Bundespräsident Joachim Gauck werden die Sieger der Jubiläumsrunde gekürt. Und das Glück hätte wohl nicht größer sein können, als im Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften Patricia Asemann und Robin Heinemann auf die Bühne gerufen werden und die ersehnte Bundessieger-Urkunde von Christian Krug, dem Chefredakteur der Zeitschrift stern, erhalten. Ein großer Erfolg und ein unvergesslicher Moment für die beiden Jungforscher.

Noch einmal Jugend forscht

Wie geht es anschließend weiter für Patricia Asemann nach diesem so ereignisreichen Jahr? 2016 nimmt sie mit ihrem Bundessiegerprojekt an der Intel ISEF, dem weltweit größten naturwissenschaftlichen Schülerwettbewerb, in den USA teil und erringt dort einen vierten Preis im Fachgebiet Physics and Astronomy. Parallel dazu beginnt sie am Kasseler Schülerforschungszentrum bereits mit der Arbeit an ihrem nächsten Jugend forscht Projekt. Zusammen mit Konstantin Schnekenburger konstruiert sie eine akustische Tarnkappe, die ein Objekt gegenüber Schallwellen unsichtbar macht. Dies ermöglicht eine kontrollierte Schallausbreitung wie auch einen effizienten Schallschutz. Das Team ist auf Regional- und Landesebene erfolgreich und so qualifiziert sich Patricia Asemann ein zweites Mal für das Bundesfinale von Jugend forscht, das 2017 bei Siemens in Erlangen stattfindet. Ein prägendes Erlebnis, auch wenn es diesmal nicht erneut zum Bundessieg reicht. Die Jungforscher dürfen sich aber über die Auszeichnung mit dem Eduard-Rhein-Jugendpreis freuen.

Zukunftspläne

Dem Schülerforschungszentrum in Kassel will Patricia Asemann auch in der Zukunft treu bleiben. Wenn nicht als Teilnehmerin, dann als Projektbetreuerin. Für die außergewöhnlichen Chancen und Perspektiven, die es ihr eröffnet hat, ist sie dankbar: "Ohne das SFN wäre ich nicht da, wo ich heute bin." Seit dem Abitur im Sommer 2016 studiert Patricia Asemann im Doppelstudium Physik und Mathematik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Mathematik ist ihre große Leidenschaft: "Ich kann stundenlang am Schreibtisch sitzen und Mathe machen." Dabei treibt sie die Vorstellung an, einen Gedanken zu denken, den vielleicht noch keiner vor ihr gedacht hat. Kein Wunder, dass sie nach dem Studium in die Forschung gehen möchte.


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