Atlantis in Ibbenbüren

Stiftung Jugend forscht e. V. | 2006

Norbert Jorek – 4. Preis Biologie 1971

Norbert Jorek

Südlich von Ibbenbüren ereignet sich Seltsames: Der Unternehmer Norbert Jorek verwandelt dort 15 Hektar Ackerfläche in eine riesige Teichlandschaft. Eine Mischung aus Feuchtbiotop, Wasserpflanzenzucht und Erlebnispark. Vor 13 Jahren erwirbt Wolfgang Jorek von der Stadt Ibbenbüren einen alten Gutshof und viel Land. Hier wohnt und arbeitet er, und hier legt er einen Park mit Teichen, Blumenbeeten und dem Café "Seerose" an. Schon deshalb kommen pro Jahr zwischen 150.000 und 200.000 Besucher. Und weil das noch nicht reicht, baut er jetzt auch noch den ersten Unterwasserpark für Hobbytaucher. Es ist ein Reich mit 77 Inseln, "ein ehemaliger Maisacker", wie der 53-Jährige erzählt. Über 100.000 Kubikmeter Sand mussten dafür aus dem Boden geholt werden. Seit vier Jahren ist ein großer Teil von Joreks Grundstück in der Nähe von Ibbenbüren deshalb ein See. Und zwar kein Baggerloch, sondern ein hübsches kleines Ökoparadies, dicht bewachsen und bereits von seltenen Arten wie dem Eisvogel bevölkert. Kein Wunder, dass man ihn in der Umgebung den "Teichgrafen" nennt.

Die Dramaturgie des in Europa einmaligen Unterwasserparks entwirft er selbst, wie schon die Seenplatte. Beide Pläne sind übrigens gleich alt. Nur die amtliche Genehmigung des Taucherparks, die dauert sieben Jahre. Ein Ärgernis, das tief sitzt. Schließlich ist hier alles selbst finanziert, über eine Million Euro. Und dann sieben Jahre warten? Das ist zu lange für einen Mann, der am liebsten alles sofort und noch lieber alles sofort selber machen würde. Das große Ganze ebenso wie die Details. Da sind zum Beispiel die Decken der Sandsteingrotten, in denen die Taucher ab dem kommenden Jahr ein authentisches Höhlen-Feeling erleben sollen. Die ersten Versuche, vom Fachmann gemauert, passen wunderbar in eine mallorcinische Finca, nicht aber in sein versunkenes Atlantis. Also experimentiert er selbst so lange mit Stroh, Steinen und Beton, bis die Decke aussieht wie die einer Grotte.

Probleme analysieren und Lösungen entwickeln - wie ein roter Faden ziehen sich diese Eigenschaften durch Norbert Joreks Vita. Schließlich gewinnt er bereits als Schüler einen 4. Preis im Fachgebiet Biologie im Bundeswettbewerb von Jugend forscht. "Beiträge zur Ethologie der Rabenkrähe Corvus corone c." heißt sein Thema. Von der Verhaltensforschung zum Naturschutz ist es nicht weit: Norbert Jorek baut neben dem Biologiestudium in Münster ein Fachmagazin auf und macht sich ehrenamtlichen dafür stark, dass 20 Quadratkilometer Feuchtwiesen als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. Er ist Vorsitzender der Westfälischen Ornithologen-Gesellschaft und entwickelt das erste EDV-gestützte Rasterkartenprogramm über die Verbreitung gefährdeter Vogelarten. "Ganz nebenbei" ist der Vogelkundler journalistisch tätig. Seine Publikationen über Grundsätze der Biotop-Entwicklungsplanung werden kleine Bestseller, erreichen z.T. eine Auflage von mehr als 100.000 Exemplaren, dazu kommen hunderte von Veröffentlichungen in Fachzeitschriften und Fernsehproduktionen für ARD und ZDF.

Warum baggert sich jemand seinen eigenen See? "Eigentlich ist es ein Hobby", sagt Jorek. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn der studierte Biologe ist gleichzeitig der Inhaber von Naturagart, dem mit Abstand größten deutschen Lieferanten von Teichfolien, Teichzubehör, Teichpflanzen und Teichbüchern. Alle Produkte sind per Katalog oder über das Internet zu bestellen, die dazugehörige Bestell-Software wiederum ist selbst programmiert. Da ist so ein See natürlich ein willkommenes Experimentierfeld. Und ein wenig Werbung noch dazu. Hobby und Beruf, Überzeugung und Geschäftssinn, das ist bei Norbert Jorek nicht wirklich zu trennen. Bestes Beispiel dafür ist der Unterwasser-Erlebnispark für Taucher. Acht Meter tief hat Jorek, seit 20 Jahren selbst begeisterter Taucher, diesmal baggern lassen. Und Unmengen von Ibbenbürener Sandstein hat er herangekarrt. 100 Tonnen pro Woche. Daraus baut er mit einigen seiner über 90 Mitarbeiter und externen Fachleute Grotten, Höhlen und Labyrinthe. Sogar einen antiken Tempel gibt es, halb verschüttet. Atlantis im Münsterland.

Von seinen Kunden verlangt Jorek kaum weniger als von sich selbst. Sie sollen sich vor allem intensiv informieren. Mit seinen Büchern und Broschüren kein Problem. Und unter zwei Stunden telefonischer Beratung kommt kaum ein Teichbau-Neuling davon. Wenn es sein muss, schickt er eine Kamera zur Baustelle und gibt den Arbeitern vor Ort Anweisung per Telefon. Auch das hat er bei Jugend forscht gelernt, da ist er sich sicher: Neben Neugier und Begeisterung für naturwissenschaftliche Themen ist es vor allem Beharrlichkeit und diese "Geht nicht, gibt's nicht"-Mentalität, die über Erfolg und Misserfolg entscheidet.


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