Alles beginnt mit einem Computer ...

Stiftung Jugend forscht e. V. | 2006

Theodor Hildebrand – Bundessieger Mathematik 1966

Theodor Hildebrand

Ein Rückblick auf ausgewählte Gewinner ehemaliger Jahrgänge, auf Jugend forscht Erfolgsgeschichten – wenn man so will –, fängt natürlich mit dem ersten Bundessieger in der Geschichte des Wettbewerbs an. Mit Theodor Hildebrand, der 1966 im Fachgebiet Mathematik gewinnt. Obwohl von "Informatik" noch keine Rede ist und die Mathematik zumindest dem Titel nach alleine dasteht, ist Theodor Hildebrand schon 1966 davon überzeugt, dass beide Fachgebiete untrennbar miteinander verbunden sind. Mit einem selbst gebauten Rechner, an dem er zeigen kann, wie ein Computer funktioniert, gewinnt Theodor Hildebrand nicht nur den ersten Jugend forscht Wettbewerb in Deutschland. Der Sieger reist im Anschluss in die USA, um am dortigen Science Fair in Dallas teilzunehmen. Zwar treten etliche Jugendliche mit selbst gebauten Computern an, allerdings hat nur Hildebrand die Idee, die Schaltkreise mit Hilfe von Halbleitern zu bauen. Die nun international vorgestellte Tüftelei bringt dem deutschen Vertreter einen sensationellen dritten Platz ein.

Schon der allererste Jugend forscht Wettbewerb beweist, dass die Projekte der Teilnehmer durchaus marktfähig sind. Seinen Rechner verkauft Theodor Hildebrand später an eine Lehrmittelfirma. Der Erlös, zusammen mit dem Gewinn des Wettbewerbs, soll eigentlich der Finanzierung seines Studiums dienen. Stattdessen kauft sich Hildebrand dann aber doch lieber ein Auto und macht eine lange Reise durch Griechenland. Was beweist, dass Jugend forscht Teilnehmer immer vor allem eins sind: vielseitig interessiert. Theodor Hildebrand besucht ein altsprachliches Gymnasium und gibt Geschichte als sein Hobby an. Da kommt die Finanzspritze von Jugend forscht gerade recht, um sich all die Altertümer endlich selbst vor Ort anzusehen.

Theodor Hildebrand gibt offen zu, dass er den Bundessieg auch als Startschuss für eine wissenschaftliche Karriere empfindet. "Natürlich wollte ich etwas erreichen. Eigentlich darf man das gar nicht sagen: Nobelpreis – in diese Richtung ging das." In Bonn und Berlin studiert er Mathematik – wohl auch deshalb, weil es den Studiengang "Informatik" noch nicht gibt. Als dieser tatsächlich eingeführt wird, arbeitet Hildebrand von Anfang an entscheidend mit, schreibt noch vor dem Diplom eine Einführung in die Informatik. Er arbeitet in der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung, hält Vorlesungen an der Universität Bonn und sitzt als Experte in der Europäischen Kommission. Die ersten Schritte der Forscher-Karriere sind getan. Dass dann allerdings alles anders kommt, ist, laut Hildebrand, "eine private Entscheidung." Schon nach seinem Forschungsaufenthalt in Dallas denkt der junge Forscher darüber nach auszuwandern. Dass seine neue Heimat dann allerdings Frankreich und nicht USA heißt, hat Theodor Hildebrand seiner französischen Frau zu verdanken.

Die "Monetik" wird, zumindest beruflich, Hildebrands neuer Lebensinhalt. Die neue Wortschöpfung setzt sich aus den Begriffen "money" und "Informatik" zusammen und beschreibt einen Sektor der Finanzdienstleistungen, auf den sich Hildebrands neuer Arbeitgeber spezialisiert hat. Das EDV-Unternehmen führt in Frankreich großflächig Kreditkarten und Geldautomatennetze ein, die es in dieser Form in Deutschland noch nicht gibt. Es ist Hildebrands Glück, dass die Franzosen bereits in den 70er Jahren bereit sind, neuen Zahlungsmitteln zu vertrauen.

Unterdessen ist der erste Gewinner von Jugend forscht als Computerexperte mehr oder weniger international im Einsatz. Ohne Übertreibung lässt sich festhalten, dass Theodor Hildebrand die hohen Erwartungen, die nach dem Bundeswettbewerb 1966 in ihn gesetzt werden, nicht enttäuscht. Er steht mit seiner Geschichte stellvertretend für Generationen von Preisträgern und Teilnehmern, die in den Jahren nach seinem Sieg all das erfahren dürfen, was Jugend forscht auch heute noch ausmacht.

In seinen eigenen Worten: "Bei der Arbeitssuche hat mir die Wettbewerbsteilnehme im Lebenslauf mit Sicherheit geholfen. Außerdem hatte ich so schon vor dem Studium eine wissenschaftliche Arbeit verfasst. Durch Jugend forscht lernt man Leute kennen, mit denen man interdisziplinär Ideen austauschen kann. Das ist von unschätzbarem Wert."


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