Dr. Michael Gude über sein Engagement für Jugend forscht

Jugend forscht Alumni News | Oktober 2008

Jugend forscht Alumni News befragte den Unternehmer aus Köln, der 1979 beim Bundeswettbewerb den 4. Preis im Fachgebiet Technik gewann

Damals präsentierte Michael Gude beim 14. Bundesfinale bei der Bayer AG in Leverkusen sehr erfolgreich sein selbst entwickeltes "Z80-Computersystem". Damit sollten schulinterne Verwaltungsabläufe vereinfacht und beschleunigt werden, um so die Kosten zu reduzieren. Seinerzeit war er im ersten Jahr Student der Elektrotechnik an der RWTH Aachen. Auf das Diplom 1982 folgte 1987 die Promotion. Nach der Universitätsausbildung wagte er den Weg in die Selbständigkeit. In Fortführung seiner Aktivitäten, die er bereits während des Studiums begonnen hatte, gründete er 1988 die "Gude Analog- und Digitalsysteme GmbH". Denn es reizte ihn, wie er rückblickend berichtet, die eigenen technischen Entwicklungen auch wirtschaftlich zu verwerten.

Die Firma gibt es bis heute. Sie ist ein führender Hersteller von Funkuhrsystemen für den PC. 1994 kam mit der Gründung der "Cologne Chip AG" ein weiteres Tätigkeitsfeld hinzu. Das Unternehmen produziert integrierte Schaltungen. Mittlerweile ist sie weltweit die Nummer zwei bei der Herstellung von ISDN-Chips.

Der Start der Unternehmerkarriere markierte allerdings keineswegs das Ende von Michel Gudes Jugend forscht Karriere. Denn in den vergangenen drei Jahrzehnten nach seinem Wettbewerbserfolg hat er Deutschlands bekanntesten Nachwuchswettbewerb unter anderem als Juror und Patenbeauftragter unterstützt. Im Interview mit Jugend forscht Alumni News beschreibt Michael Gude seine Motivation, sich für den Wettbewerb zu engagieren, und warum er es wichtig findet, weitere Alumni als Förderer zu gewinnen.

Alumni News: Herr Gude, wie begann Ihr ehrenamtliches Engagement bei Jugend forscht?

Michael Gude: Bereits kurz nach meiner eigenen Wettbewerbsteilnahme fragte mich der damalige Jugend forscht Landeswettbewerbsleiter von Nordrhein-Westfalen, ob ich nicht Lust hätte, in der Landesjury mitzuarbeiten. Denn es würden vermehrt "so Arbeiten mit Mikroprozessoren und Software" eingereicht und er kenne niemanden, der davon Ahnung habe.

Alumni News: Mit Ihrer Expertise aus dem Job waren Sie da natürlich prädestiniert.

Michael Gude: Natürlich habe ich daraufhin sofort zugesagt. Für einen ehemaligen Wettbewerbsteilnehmer ist es hoch interessant, auch mal die andere Seite, nämlich die der Jury, kennenzulernen. Auf Basis meiner langjährigen Erfahrung als Juror war es mir schließlich möglich, konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Juryarbeit zu machen. Ich habe mich daher auch intensiv an der Erarbeitung des Leitfadens zur Juryarbeit bei Jugend forscht beteiligt und zudem Hinweise zur Internetrecherche für Juroren entwickelt. Darüber hinaus erschien es mit immer sehr wichtig, auf die besondere Bedeutung des Themas "Patente" bei Jugend forscht hinzuweisen.

Alumi News: Bei der Tätigkeit als Juror ist es dann aber nicht geblieben?

Michael Gude: "Fahrlässiger Weise" äußerte ich im Jahr 2000, dass ich mir die Ausrichtung des Regionalwettbewerbs in Köln vorstellen könnte, wenn dieser vakant werden sollte. Zu dieser Zeit wurde der Wettbewerb im jährlichen Wechsel von Rheinbraun (heute RWE-Power) und Leybold Didactic ausgerichtet. Kurz darauf schied Rheinbraun aus, und man erinnerte sich meiner Äußerungen. Meine beiden Firmen waren jedoch viel zu klein, um die Räumlichkeiten zur Ausrichtung eines Regionalwettbewerbs bieten zu können. Erfreulicherweise erklärte sich daraufhin die IHK Köln bereit, Jugend forscht das Foyer und den Börsensaal zur Verfügung zu stellen. So hat die Cologne Chip AG dann erstmals 2001 den Regionalwettbewerb als Patenunternehmen in den Räumen der IHK ausgerichtet. Nachdem zwei Jahre später Leybold Didactic die Organisation des Wettbewerbs aus wirtschaftlichen Gründen ebenfalls aufgeben musste und man sich in Hamburg abermals meiner erinnerte, richten wir den Regionalwettbewerb in Köln nun jedes Jahr aus. Dabei treten meine beiden Firmen als Patenunternehmen auf, und es gibt auch noch einen Zuschuss der Gude Stiftung, die ich 1999 gegründet habe. Erfreulicherweise gelang es zusätzlich, die Firma Netcologne als Co-Sponsor zu gewinnen.

Alumni News: Ehrenamtliches Engagement ist ein wichtiger Eckpfeiler von Jugend forscht. Sehen Sie ehemalige Teilnehmer hier besonders in der Pflicht?

Michael Gude: Alle Alumni von Jugend forscht möchte ich ermuntern zu überlegen, ob sie sich als Pate oder als Juror engagieren wollen. Da die Ausübung des Jurorenamts bei Jugend forscht auf zehn Jahre befristet ist, werden bei den bundesweit mehr als 90 Wettbewerben laufend neue Juroren gesucht. Für die Jury unseres Wettbewerbs in Köln haben wir eine Reihe ehemaliger Teilnehmer gewinnen können. Wir profitieren außerordentlich von ihrem besonderen Engagement und ihrer großen Kompetenz. Im Übrigen zeichnet sie aus, dass sie sich aus eigener Erfahrung besonders gut in die Lage der Teilnehmer versetzen können und daher in der Befragung über das nötige Fingerspitzengefühl verfügen.

Alumni News: Gibt es noch weitere Möglichkeiten, sich zu engagieren?

Michael Gude: Angesichts der Tatsache, dass man sich nicht nur bei Jugend forscht verstärkt um Ehemalige kümmert und das Wort "Alumni" nicht mehr zuvorderst für eine Aluminiumlegierung gehalten wird, möchte ich auf einen weiteren Weg hinweisen, etwas für Jugend forscht zu tun. Es gibt inzwischen die Möglichkeit, ehemalige Teilnehmer des Wettbewerbs, die sich jetzt im Studium befinden, mit einem Stipendium in Höhe von jährlich 1.000 Euro zielgerichtet zu fördern. Ich habe mich anlässlich des Auftakts dieser Initiative der Stiftung Jugend forscht e. V. im Januar 2008 spontan dazu bereit erklärt, über meine Stiftung vier solcher Studienbeihilfen zur Verfügung zu stellen. Da die Zahl der förderungswürdigen Studenten natürlich weitaus höher ist, sind weitere Stipendiengeber herzlich willkommen, sich zu beteiligen. Natürlich lässt sich ein solches Engagement durch eine Spendenbescheinigung steuermindernd einsetzen.

Alumni News: Aber das ist natürlich nicht der einzige Grund, warum sich das Engagement für ehemalige Teilnehmer lohnt?

Michael Gude: Ich möchte betonen, dass ich durch meine Aktivitäten und etwas finanzielle Unterstützung wirklich gerne zum Erfolg von Jugend forscht beitrage - und dass ich auch andere ausdrücklich dazu animieren möchte. Der Wettbewerb war für mein Leben und meine berufliche Tätigkeit eine wichtige Weichenstellung. Jugend forscht ist einer der wenigen wirklichen Leuchttürme im Bildungsbereich in Deutschland. Viele ehemalige Teilnehmer sind heute als Unternehmer, Hochschullehrer oder leitende Angestellte an exponierter Stelle tätig, und sie können Jugend forscht etwas zurückgeben. Meines Erachtens basiert der besondere Erfolg von Jugend forscht nicht zuletzt darauf, dass ein Großteil aller Wettbewerbsaktivitäten auf freiwilliger, ehrenamtlicher Tätigkeit beruht.

Alumni News: Lieber Herr Gude, wir danken Ihnen für das Gespräch.


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