Ein Ausflug in die Naturwissenschaften

Stiftung Jugend forscht e. V. | 2015

Marion von Haaren – Sonderpreisträgerin "Reporter der Wissenschaft" 1982

Marion von Haaren

Naturwissenschaftliche Karrieren beginnen bei Jugend forscht – so viel ist bekannt. Jugend forscht beweist, dass es möglich ist, Mädchen und Jungen für naturwissenschaftliche Themen zu begeistern und viel ungenutztes Potenzial freizulegen. Aber warum sollten die gleichen Mechanismen nicht auch in anderen Bereichen funktionieren, warum sollte Jugend forscht nicht Nachwuchsförderung auf breiterer Basis betreiben? Aus diesen und ähnlichen Überlegungen entsteht 1968 als kleiner Bruder von Jugend forscht der Wettbewerb "Reporter der Wissenschaft", der den journalistischen Nachwuchs beflügeln soll, naturwissenschaftliche Themen verständlich und spannend darzustellen. Mit Marion von Haaren hat er eine sehr prominente ehemalige Gewinnerin. Sie ist eine Vollblutjournalistin, deren Karriere in nicht unerheblichem Maße von Jugend forscht beeinflusst ist.

In den 1970er Jahren absolviert Marion von Haaren zunächst eine Ausbildung an der Kölner Journalisten-Schule. Einige Jahre später, als sie schon Studentin der Volkswirtschaft an der Universität Köln ist, erregt der Wettbewerb ihre Aufmerksamkeit. Mit einer professionell produzierten Hörfunk-Reportage zum Thema "Krebserregende Stoffe in der Reifenproduktion" gewinnt sie den Sonderpreis des Ministers für Forschung und Entwicklung. Marion von Haaren erinnert sich noch heute an die Widrigkeiten bei ihrem Projekt: "Das ist ja ein wahnsinnig sensibles Thema. Ich habe in der Michelin-Fabrik in Hessen recherchiert und musste natürlich zunächst das Vertrauen der Arbeiter gewinnen, die mir schließlich Informationen gegen ihre Arbeitgeber beschaffen sollten." Mit ihrem Beitrag trifft sie den Nerv der Zeit. In den 80er Jahren ist die Humanisierung der Arbeitswelt ein populäres Thema, ein Skandal über PBNA, einen gesundheitsschädlichen Stoff, der bei der Reifenproduktion entsteht, erschüttert die Bundesrepublik. So sehr das Thema dem damaligen Zeitgeist entspricht: An Aktualität hat es bis auf den heutigen Tag nichts eingebüßt. Marion von Haaren verweist auf eine erst kürzlich erschienene Studie im französischen "Le Figaro", die die Wahrscheinlichkeit von Krebserkrankungen bei Arbeitern ins Verhältnis zu der von Akademikern und leitenden Angestellten setzt. Noch heute erkranken Arbeiter häufiger an Krebs, noch heute ist ihre Lebenserwartung damit im statistischen Mittel kürzer als die der Akademiker. Gleiches gilt für Deutschland.

Marion von Haaren erinnert sich nicht mehr an viele Details des Wettbewerbs 1974. Lediglich das Gefühl der Anerkennung, das ist ihr bis jetzt sehr präsent. "Für mich war diese Auszeichnung ein Schlüsselmoment. Im Studium habe ich mich bis zu diesem Zeitpunkt eher mit Grundlagenwissen wie Mathematik herumschlagen müssen, war nicht besonders glücklich. Nach dem Wettbewerb und durch diese ermutigende Erfahrung habe ich mich freigeschwommen." Das kann man wohl sagen! In der Presse wird ihr weiterer Werdegang als "öffentlich-rechtliche Karriere im Eilschritt" beschrieben. Marion von Haaren startet beim Kabelpilotprojekt des WDR in Dortmund, wechselt zum Hörfunk und wird anschließend Redakteurin in der Wirtschaftsredaktion des WDR-Fernsehens. Sie moderiert viele Wirtschafts- und Verbrauchermagazine, ist 1991 eine der jüngsten Kommentatorinnen in den "Tagesthemen" und wird 1997 Fernseh-Chefredakteurin des Westdeutschen Rundfunks. 2002 übernimmt sie die Leitung des ARD-Studios in Paris. Ein logischer Schritt für eine weitblickende Journalistin, die schon 1997 in einem Interview formuliert, dass "in Zeiten des Umbruchs" Europapolitik ein zentrales Thema sei und dass "die ARD ein starkes Standbein in Europa braucht". 2007 wird Marion von Haaren Korrespondentin und stellvertretende Leiterin des ARD-Studios in Brüssel. 2014 kehrt sie zurück nach Deutschland und ist als Korrespondentin im ARD-Hauptstadtstudio tätig.

Zielstrebig und mit viel Durchsetzungsvermögen macht Marion von Haaren eine Journalisten-Karriere wie aus dem Bilderbuch. Ihr naturwissenschaftlicher Beitrag zum Wettbewerb, der gleich von so viel Erfolg gekrönt ist, bleibt dabei jedoch ein einmaliger Ausflug. Bis heute widmet sie sich lieber politischen Themen. Trotzdem wünscht sie sich, dass der 1991 eingestellte Wettbewerb "Reporter der Wissenschaft" vielleicht in nächster Zukunft neu aufgelegt wird. Sie verfolgt die aktuellen bildungspolitischen Debatten in Deutschland auch aus Frankreich und ist sich sicher, dass Jugend forscht in diesem Bereich wertvolle Arbeit leistet. Trotzdem, so Marion von Haaren, ist auch die journalistische Aufarbeitung wissenschaftlicher Themen nicht zu vernachlässigen. "Es ist wichtig, dass Wissenschaftler nicht unter sich bleiben, Forschung nicht im Elfenbeinturm stattfindet. Nur so können langfristig viele Menschen für naturwissenschaftliche Themen begeistert werden."


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