Eins, zwei, drei!

Stiftung Jugend forscht e. V. | 2015

Marcel Schmittfull – Bundessieger Arbeitswelt 2006

Marcel Schmittfull

Er hat geschafft, was vor ihm noch keinem anderen Jungforscher in über 40 Jahren gelungen ist – obwohl es sicher einige andere Teilnehmer probiert haben. Dreimal Bundessieger Jugend forscht – das darf sich bislang nur Marcel Schmittfull in seinen Lebenslauf schreiben.

Doch der 19-jährige Schüler aus Geldersheim bei Schweinfurt ist niemand, der mit seinen Erfolgen prahlt. Er hat sie einfach und scheint manchmal selbst noch ein wenig erstaunt darüber zu sein, dass er bereits dreimal in der Feierstunde die goldene Bundessiegernadel entgegennehmen durfte.

Mit einer schlichten Frage zu einer Geometrieaufgabe in der Schule beginnt die Erfolgsgeschichte: Marcel Schmittfull schickt sie seinem damaligen Physiklehrer per E-Mail und hängt zum besseren Verständnis ein selbstgeschriebenes Computerprogramm an. Der Lehrer ist begeistert und ermutigt den 14-Jährigen doch bei Schüler experimentieren teilzunehmen. Recht unbedarft geht der Schüler ans Werk und wird zu seiner Überraschung gleich bei seiner ersten Teilnahme im Jahr 2002 Landessieger im Fachgebiet Physik in der Juniorsparte Schüler experimentieren in Bayern.

Doch so locker er an sein erstes Projekt gegangen ist, der Ehrgeiz packt Marcel Schmittfull im darauffolgenden Jahr dann schon ein wenig. Er beteiligt sich erneut. Mit einem für einen 15-Jährigen ungewöhnlichen Thema: Java Psi – zur Quantenmechanik am Computer. Er beschäftigt sich mit der Schrödinger-Gleichung, die selbst manchen Physikstudenten ins Schwitzen bringt, und simuliert diese am Computer. Die Jury in Bayern findet sein Projekt zu gut um „nur“ Landessieger bei Schüler experimentieren zu werden und stuft ihn hoch in die Sparte Jugend forscht. Auch hier glänzt der im Vergleich zu den anderen Teilnehmern noch junge Schüler und darf zum Bundeswettbewerb fahren. Dort angekommen, schaut er sich erst einmal die anderen Projekten an und stellt fest: Auch die anderen Projekt sind sehr anspruchsvoll und gar nicht so leicht zu verstehen. Doch da es auf einem Jugend forscht Wettbewerb nicht entscheidend ist, die Projekte der Konkurrenten zu durchdringen, sondern vor allem darum geht, mit den eigenen Ideen zu glänzen, lässt der Erfolg 2003 nicht lange auf sich warten. Marcel Schmittfull wird bereits mit 15 Jahren erstmals Bundessieger. Er gewinnt den Preis des Bundeskanzlers für die originellste Arbeit.

Das Bundesfinale bedeutet auch jede Menge Medienrummel – und der ist für Marcel Schmittfull nach der Siegehrung noch lange nicht vorbei: Im September des Jahres wartet einer der Höhepunkt in seiner Jugend forscht Karriere auf ihn. Beim Bundeskanzlerempfang soll er dem Preisstifter seine Arbeit vorstellen. Recht arglos reist er nach Berlin und findet sich dort zu seinem Entsetzen vor rund 50 Journalisten und Fotografen im Bundeskanzleramt wieder, um dem damaligen Regierungschef Gerhard Schröder zu erklären, was Quantenmechanik ist. Eine Herausforderung – denn im Gegensatz zu seiner Nachfolgerin Angela Merkel ist es mit den Physikkenntnissen von Gerhard Schröder nicht so gut bestellt. Da er sein Projekt nun einem Fachfremden erklären muss, durchforstet Marcel Schmittfull seine Erinnerungen an das Bundesfinale und findet einen Physiker, der einem neunjährigen Jungen die Quantenphysik mit Hilfe einer Fußballtorwand erklärt hat. Zu diesem Hilfsmittel greift nun auch der Jungforscher, um dem Kanzler die schwierige Materie näher zu bringen, denn vom Fußball versteht der Politiker ja bekanntlich eine Menge. Zumindest die Lacher der Anwesenden hat der Nachwuchsforscher so auf seiner Seite – ob er sich wirklich verständlich ausgedrückt hat, weiß Marcel Schmittfull aber bis heute nicht.

Nach dieser Episode geht der junge Wissenschaftler etwas entspannter mit den Größen aus Politik und Wissenschaft um. So lässt er sich im Jahr 2005, als er zusammen mit Jörg Metzner den Preis des Bundespräsidenten für eine außergewöhnliche Arbeit gewinnt, auf der Bühne von Horst Köhler noch rasch den Kragen seines Jacketts richten.

Außergewöhnlich ist die Bundessiegerarbeit von Jörg Metzner und Marcel Schmittfull in diesem Jahr allemal. Die beiden Jungforscher gehen der Frage nach: „Kann man wirklich mit dem Bauch reden? Eine physikalische Untersuchung“. Dank des kreativen Themas haben sie wieder einmal die Medien auf ihrer Seite.

Seinen Forschungspartner lernt Marcel Schmittfull während eines Fernstudiums der Universität Kaiserslautern kennen. Die beiden kommunizieren häufig per ICQ, um sich gegenseitig bei ihren Hausaufgaben zu beraten. Anlässlich einer Schülerakademie in Rostock im Jahr 2004 treffen sie sich erstmals und beschließen sofort, ein gemeinsames Projekt für Jugend forscht zu entwickeln. Da die Zusammenarbeit bei den Hausaufgaben geklappt hat, muss es bei einem Projekt doch auch möglich sein, denken sich die Nachwuchswissenschaftler.

Für Jörg Metzner ist es die erste Jugend forscht Teilnahme. Er liefert die Idee für das Projekt, Marcel Schmittfull hingegen die Erfahrung, eine erfolgreiche Jugend forscht Arbeit zu verfassen. In der 40. Wettbewerbsrunde startet Marcel Schmittfull allerdings nicht mehr für Bayern, sondern für Hessen, da Jörg Metzner in diesem Bundesland wohnt und, so Marcel Schmittfull, „in Bayern die Konkurrenz doch recht groß ist“. Und tatsächlich, die beiden Nachwuchswissenschaftler erreichen nicht nur den Bundeswettbewerb in Dortmund, sondern werden auch gemeinsam Bundessieger.

Das bewährte Doppel ruht sich im Anschluss nicht auf seinen Lorbeeren aus. Obwohl Jörg Metzner im Herbst 2005 zum Studium nach Oxford in England geht, bleiben die beiden in Kontakt und beschließen erneut, ein Projekt auf die Beine zu stellen. Wieder ist es Jörg Metzner, der die Idee beisteuert und Marcel Schmittfull, der einen wesentlichen Teil der praktischen Projektarbeit übernimmt. Durch den Englandaufenthalt des Hessen sehen sich die beiden allerdings erst in den Weihnachtstagen: drei Wochen vor Abgabetermin der Arbeit. Nun können sie die ersten Versuche machen und schreiben schließlich per E-Mail-Kontakt im Eiltempo die Arbeit. Gerade wegen dieser Eile rechnen sie nicht damit, dass das Projekt „Druckmessung im System eines geschlossenen Schlauches“ überhaupt eine Chance hat. Aber neben dem Können macht die Erfahrung wohl eine Menge aus, denn zuerst gewinnen sie den Regionalwettbewerb, dann erneut den Landeswettbewerb in Hessen, und schließlich präsentieren sie ihr Projekt auf dem Bundeswettbewerb in Freiburg. Mit Erfolg: In der Feierstunde heißt es zum zweiten Mal: „Bundessieger sind Marcel Schmittfull und Jörg Metzner.“ Diesmal im Fachgebiet Arbeitswelt.

Doch nicht nur bei Jugend forscht verzeichnet Marcel Schmittfull Erfolge. Im Jahr 2004 reist er zur International Science and Engineering Fair in die USA und erreicht dort einen dritten Platz im Fachgebiet Physik. Beim European Union Contest for Young Scientists in Moskau geht er dann allerdings leer aus. Der originelle Ansatz, über die Physik des Bauchredens zu forschen, hatte es offenbar schwer, sich gegen klassisch physikalische Fragestellungen durchzusetzen. Trotzdem ist er von diesem Wettbewerb besonders begeistert: „Die Veranstalter haben einfach ein tolles Rahmenprogramm geboten. Einmal hatten wir sogar eine Polizeieskorte.“

An ein auslösendes Ereignis, das ihn zur Physik bringt, kann er sich nicht erinnern. „Das kam alles so nach und nach“, erklärt der Jungforscher. Mit jedem Projekt, an dem er arbeitet, liest er sich Fachwissen aus englischsprachigen Fachbüchern an. Auf jedem Wettbewerb versteht er ein wenig mehr von den anderen Projekten. Und daran misst der Jungforscher auch die Qualität der Wettbewerbe: Je mehr andere Projekte er versteht, desto besser gefällt ihm ein Wettbewerb.

Physik und Mathematik sind die großen Leidenschaften des Abiturienten. Schon während der Schulzeit besucht er als Schnupperstudent Mathematikvorlesungen an der Universität Würzburg, nimmt an Schülerwettbewerben in Physik, Informatik und Mathematik teil und schreibt sich für ein Fernstudium an der Universität Kaiserslautern ein. Seinen Fachgebieten bleibt er dann auch bei der Studienwahl treu: Seit Oktober 2006 widmet sich Schmittfull innerhalb eines Doppelstudiums den Fächern Physik und Mathematik an der Universität Tübingen. 2010 wechselt Marcel Schmittfull an die University of Cambridge, um dort im Fach Department of Applied Mathematics and Theoretical Physics, Tür an Tür mit dem berühmten Physiker Stephen Hawking, zu promovieren. Seit 2013 ist er als Post-Doktorand an der University of California tätig.


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