Der junge Galileo

Stiftung Jugend forscht e. V. | 2013

Julian Petrasch – Bundessieger im Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften 2013

Julian Petrasch (Mitte) beim Bundeswettbewerb 2013

Anfang des 17. Jahrhunderts ist Galileo Galilei einer der ersten Menschen, die ein Fernrohr zur Himmelsbeobachtung nutzen. Die neuen Erkenntnisse, die er mit dem Blick durch sein selbst konstruiertes „Perspicillum“ gewinnt, stellen das bis dahin vorherrschende Weltbild auf den Kopf. Heute, über 400 Jahre später, gibt es im Universum immer noch viel zu entdecken. Davon ist der Berliner Julian Petrasch schon seit Kindesbeinen fasziniert. Seit frühester Jugend erforscht er mit großer Leidenschaft Sterne und Planeten. Mittlerweile ist er auf dem besten Weg, einmal in die Fußstapfen Galileos zu treten.

Das Erbe des Urgroßvaters

Als Julian Petrasch noch ein kleiner Junge ist, erzählt ihm seine Oma spannende Geschichten über das Weltall und von ihrem eigenen Vater, einem begeisterten Hobbyastronomen. Insofern, so sagt der Jungforscher heute, hat er die Faszination für Astronomie wohl von seinem Urgroßvater geerbt. Und das macht sich früh bemerkbar: Mit sechs Jahren besitzt er bereits sein erstes eigenes Teleskop, mit dem er den Sternenhimmel erforscht. Als Elfjähriger schließt er sich der Arbeitsgruppe Astrometrie an der Berliner Wilhelm-Foerster-Sternwarte an. Hier verbringt er von nun an unzählige Nächte und beobachtet bis in die frühen Morgenstunden den Himmel.

Vom Hobby zum Jugend forscht Projekt

An der Wilhelm-Foerster-Sternwarte beschäftigt sich der Nachwuchsastronom mit der Positionsvermessung von Asteroiden. Damit lässt sich beispielsweise herausfinden, ob ein Asteroid mit der Erde zu kollidieren droht. „Irgendwann bin ich darauf gekommen, dass man das Ganze noch besser machen könnte“, so beschreibt Julian Petrasch den Startschuss zu seinem Jugend forscht Projekt. Gemeinsam mit seinem Klassenkameraden Lennart Schlieder und seinem Betreuer Timo A. Stein macht er sich an die Arbeit. „Wir haben zwei Jahre intensiv an den Formeln gearbeitet und insgesamt 80 Aufnahmen von Asteroiden untersucht, manchmal bis zu 30 Stunden am Stück!“ Das Max-Planck-Institut in Heidelberg stellt ihnen eine Woche lang ein Teleskop für ihre Forschung zur Verfügung, und via Internet können sie Teleskope auf Hawaii und in Australien nutzen.

Erfolgreich bei Jugend forscht

Das Ergebnis ihrer wissenschaftlichen Arbeit nennen Julian Petrasch und Lennart Schlieder SAMS, das ist die Abkürzung für Sky Align Methods Simulator. Dabei handelt es sich um ein selbst geschriebenes Computerprogramm, mit dem sie die Position von Asteroiden bis zu 40 Prozent genauer bestimmen können, als dies mit herkömmlichen Methoden möglich ist. Kein Wunder also, dass sie bei Jugend forscht einen glatten Durchmarsch hinlegen: 2009 siegen sie zunächst auf Regional- und Landesebene und halten bald darauf auch beim Bundesfinale in Osnabrück den ersten Preis im Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften in den Händen. Ein unglaublicher Erfolg, mit dem die jungen Forscher trotz ihrer vielen Arbeit nie gerechnet hätten. 

Belgien, Frankreich, Chile, China – als Jungforscher um die Welt

Nach dem Bundessieg bereist Julian Petrasch die Welt. Erste Station ist die Hessische Landesvertretung in Brüssel, wo er sein Projekt Mitarbeitern der EU-Kommission und Abgeordneten des Europaparlaments präsentiert. Kurz darauf darf er am European Union Contest for Young Scientists in Paris teilnehmen und die französische Hauptstadt kennenlernen. Auch hier ist der Jungforscher erfolgreich und gewinnt eine Reise nach Chile zur Europäischen Südsternwarte, eine der weltweit führenden astronomischen Forschungseinrichtungen. „Ich durfte dort auf der Plattform neben den Teleskopen stehen und den Arbeitsprozess verfolgen. Das war einfach unfassbar toll“, so Julian Petrasch. Der Reise nach Chile folgt ein Aufenthalt in Peking, dort nimmt er am Nachwuchswettbewerb BYSCC teil und stellt sein Projekt der chinesischen Öffentlichkeit vor. Auf dem Programm steht auch ein Besuch der Chinesischen Mauer, die ja, so wird in China gerne behauptet, aus dem Weltall zu sehen sein soll. 

Mach’s noch einmal, Julian

Einmal mit dem Forschervirus infiziert, ist für Julian Petrasch nach seinem ersten Bundessieg noch lange nicht Schluss. Ausgehend von der Frage, wie man ein günstiges Flugobjekt baut, das eine möglichst weite Strecke zurücklegen kann, beginnt er mit der Forschung zu Stratosphärenballons. Dabei hat er die Idee, die Ballons als Trägersystem für Kameras zu nutzen, die hochauflösende Aufnahmen von der Erde machen. Sein sogenanntes OSSI (Observation System for Stratospheric Investigation) testet er erfolgreich in vier Flügen. „Mit OSSI kann ich zeigen, dass es sehr viel günstigere professionelle Aufnahmen und eine viel einfachere Datengewinnung als mit Satelliten oder Flugzeugen gibt“, so der Jungforscher. Erneut nimmt er an Jugend forscht teil, und wieder gelingt ihm ein Durchmarsch bis ins Finale. Die Jury beim Bundeswettbewerb 2013 ist begeistert von dem innovativen Projekt und zeichnet ihn zum zweiten Mal mit dem Bundessieg im Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften aus. Bei der Preisverleihung in Leverkusen sorgt der bescheidene Jungforscher dann für Gänsehautstimmung, als er sich zuallererst bei seinem Vater bedankt. Seit seinem fünften Lebensjahr habe dieser ihn unermüdlich unterstützt. Er sei sogar mehrfach nach Polen gefahren, um die Stratosphärenkapsel zurückzuholen, die dort nach dem Flug gelandet sei. Sein Vater grüßt sichtlich stolz und gerührt aus dem Publikum zurück. Ein tolles Team. 

Von der Hauptstadt zum Mond?

Bereits mit 21 Jahren hat sich Julian Petrasch als Astronom einen Namen gemacht. Er nimmt an der Herbsttagung der Astronomischen Gesellschaft teil und lernt dort die Größen seines Fachs kennen. Darüber hinaus hält er Vorträge über seine Forschung, beispielsweise bei der Langen Nacht der Wissenschaften in Berlin. Auch beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. stellt er seine Fähigkeiten im Rahmen eines Praktikums unter Beweis. Aktuell studiert der zweimalige Bundessieger Informatik an der FU Berlin. Nach der anstrengenden Zeit bei Jugend forscht will er sich jetzt erst einmal auf sein Studium konzentrieren. „Gute Informatikkenntnisse sind genau das, was ich für die Astronomie brauche“, sagt der Jungforscher. Pläne, was genau er im Anschluss machen will, hat er allerdings noch nicht. Er kann sich vorstellen, Software für Satelliten zu entwickeln. „Wenn sich allerdings die Möglichkeit ergibt, zum Mond oder zur ISS zu fliegen, werde ich wohl nicht nein sagen“, ist sich Julian Petrasch sicher.


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