Schau mir in die Augen, Kleines

Stiftung Jugend forscht e. V. | 2006

Constanze Schmidt und Stefan Kallenberger – Bundessieger Arbeitswelt 2001

Constanze Schmidt und Stefan Kallenberger

Sie sind das Dreamteam. Sie harmonieren perfekt. Bei wissenschaftlichen Projekten genauso gut wie im wirklichen Leben. Constanze Schmidt und Stefan Kallenberger sind nicht nur bei Jugend forscht ein Team, sondern auch privat. Sie sind eines von mehreren Paaren in der Jugend forscht Familie, die sich bei einem Wettbewerb kennen und lieben gelernt haben.

Es passiert in Lüneburg. In der Geburtsstadt von Constanze im Jahr 2000 beim niedersächsischen Regionalwettbewerb. Stefan reist aus Ahlerstedt an. Und verknallt sich in das Mädchen, deren Gedanken sich um die optischen Eigenschaften von Tesa-Film drehen. "Mir war am Overhead-Projektor aufgefallen, dass übereinander geklebte Tesa-Streifen auf den Folien ganz verschiedene Farben produzieren. Dieses Phänomen habe ich in meinem Jufo-Projekt weitergehend untersucht", erinnert sich die 1983 geborene Niedersächsin an den Beginn ihrer Liaison mit dem angehenden Medizintechniker, der den Knall damals sehr wohl spürt. Stefan Kallenberger beschäftigt sich mit schädigenden Einwirkungen von Extremlautstärken in der Freizeit. Dazu zählt Knallkörperlärm oder laute Musik in Diskotheken.

"Ich habe die schädigende Wirkung von Freizeitlärm untersucht, dem Menschen in Form von beispielsweise Diskotheken oder Knallkörpern ausgesetzt werden. Um bei Knallkörpern einen Sicherheitsabstand zu ermitteln, ab dem eine Hörschädigung nicht mehr zu erwarten ist, entwickelte ich ein neues Schallanalyseverfahren. Außerdem fertigte ich ‚Schallpegellandkarten' in Diskotheken an und testete das Gehör von Diskogängern", so Stefan, der es privat beim Schach (Deutscher Vizemeister mit der Schulmannschaft des Athenaeums Stade) lieber etwas ruhiger mag. Wenngleich Musik dazugehört. Beide lieben es klassisch. Sie spielt die 1. Geige (im Orchester der Musikschule Lüneburg) und er in mehreren Kammermusik-Ensembles Klavier, oder er stimmt die Klarinette an.

Bislang allerdings verläuft das Leben des Forscherpaares keinesfalls in ruhigen Bahnen. Schnell wird beiden nach dem ersten Kontakt in Lüneburg klar, dass sie es gemeinsam versuchen wollen: Ein neues Projekt für Jugend forscht soll her. Und da sich das Duo so oft tief in die Augen sieht, bleiben sie dort hängen. "Sehen will gelernt sein" lautet die Überschrift zu einem Verfahren mit der dazugehörigen Apparatur für eine mittlerweile patentierte programmierbare Biofeedback-Schieltherapie. Wobei angemerkt sei: Die beiden Jufos selbst gucken ganz normal. Nur zum "Spaß" als Illustration des Covers vom Jufo-Magazin August 2001 schaut Constanze mit jedem Auge in eine andere Richtung.

Das von beiden entwickelte Trainingsgerät kann die sich sonst zeigenden Doppelbilder in der Wahrnehmung langsam reduzieren und die Augen im Rahmen der Therapie wieder in die richtige Richtung führen. Ein wichtiges Therapiegerät für kranke Augen. Der Preis des Bundespräsidenten beim Bundesfinale 2001 in Chemnitz ist der verdiente Lohn für eine innovative Arbeit im Bereich Arbeitswelt. "Die Jugend forscht Projekte waren sicher richtungsweisend für meine Studiums- und Berufsplanung", bestätigt denn auch Stefan Kallenberger die Bedeutung für seine wissenschaftliche Zukunft. "Ich möchte später gern medizintechnische Geräte entwickeln oder auf dem Gebiet der Biophysik forschen", sagt der gestandene Zehntsemester, der parallel Humanmedizin und Physik in Erlangen studiert.

Seine Freundin, die zwei Jahre nach ihm Abitur macht, studiert ebenfalls Medizin und und Physik – aber im niedersächsischen Göttingen. "Ich interessiere mich für Neuro-Science. Dafür kann man sich nach dem sechsten Semester bewerben, denn in Kooperation mit vier Max-Planck-Instituten wird ein internationaler Studiengang dazu angeboten", erläutert Constanze Schmidt ihre Zukunftspläne.

Die große Distanz zwischen den Studienorten meistern Schmidt und Kallenberger souverän. Und sie finden Wege, trotz dieser Entfernung gemeinsam Zeit zu verbringen. Hier kommt wieder Jugend forscht ins Spiel. Denn neben der Diplomarbeit in Physik arbeitet Stefan Kallenberger auch noch an seiner Doktorarbeit in Medizin. Weil so eine große Aufgabe im Team besser zu lösen ist, holt er sich kurzerhand Unterstützung. Natürlich von Constanze Schmidt. Gemeinsam bearbeiten die beiden ein Thema auf dem Gebiet der Neuroophthalmologie, das seinen Ursprung in ihrem gemeinsamen Jugend forscht Projekt hat. Angesichts des eingespielten Teams kann man sich sicher sein, dass auch dieses Projekt von Erfolg gekrönt sein wird.

Das Paar ist häufig unterwegs – schon allein wegen der unterschiedlichen Studienorte. Oder aber wenn einer im Rahmen eines Orchesteraustauschs nach Frankreich reist, oder sie gemeinsam Städtereisen unternehmen oder gar Einladungen zu wissenschaftlichen Kongressen wie dem hochkarätig besetzten Creando in Zermatt annehmen. Da sitzen die "Promising Leaders" Schmidt/Kallenberger dann neben Nobelpreisträgern wie Leo Esaki oder Gabriel Garcia Marquez. "Wir haben auch mit dem japanischen Physiker Esaki gesprochen, der den Nobelpreis 1973 erhielt. Aber er ist nicht sehr zugänglich, eher etwas abgehoben", erinnert sich Constanze Schmidt an das Symposium "Autonomy in Creative Leadership 2002" in der Schweiz. Aber wenigstens die Unterhaltung mit dem Cartoonisten und Autor Tomi Ungerer hat den beiden Nachwuchsforschern Spaß gemacht. Der Elite von morgen wird schon heute einiges geboten. Da sollte man sehen, dass man gesehen wird.


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