Ufos aus Hongkong

Stiftung Jugend forscht e. V. | 2015

Daniel Gurdan – Bundessieger Arbeitswelt 1999

Daniel Gurdan

Wie der Katze, die sprichwörtlich das Mausen nicht lassen kann, so geht es Daniel Gurdan mit dem Erfinden. Mit sieben Projekten nimmt er am Wettbewerb Jugend forscht teil, viermal erreicht er das Finale, den Bundeswettbewerb. Damit ist er einer der erfolgreichsten Teilnehmer in der Geschichte von Jugend forscht. Die Lust am Erfinden endet für Daniel Gurdan jedoch nicht mit dem Wettbewerb 2003.

"Mein Leben besteht daraus, Sinniges und Unsinniges zu entwickeln", so der 21-jährige Tüftler aus der Oberpfalz. Doch das Ersinnen unsinniger Sachen scheint Daniel Gurdan schwer zu fallen, denn meistens haben seine Konstruktionen Hand und Fuß. Im wahrsten Sinne des Wortes - seinen Bundessieg im Fachgebiet Arbeitswelt erringt der Schüler 1999 mit einer Erfindung, die er ganz wortwörtlich "am eigenen Leibe" testet. Da er selbst bei einem Unfall zwei Finger verliert, weiß Daniel aus leidiger Erfahrung, wie wichtig eine gut funktionierende Prothese im täglichen Leben ist. Aus Kunststoff, Draht, Schaumgummi, einer elektronischen Steuerung und einem Servo-Motor konstruiert er eine Handschuh-ähnliche Fingerprothese. Die Erfindung funktioniert so gut, dass er mit dem von ihm entwickelten Handschuh sogar mit vier Keulen jonglieren kann. Daniel Gurdan feilt weiter am zirkusreifen Auftritt: Zur Jonglage passt das Einrad, das sich selbst stabilisiert. Dabei handelt es sich genau genommen um einen Roboter, dessen Schwerpunkt über einer Achse mit zwei Rädern liegt und der mit Hilfe eines Motors stabilisiert wird. Die komplizierte Steuerung funktioniert: Der Roboter kann wie ein Einrad rollen und dabei das Gleichgewicht halten. Die beeindruckte Jury verleiht ihm dafür beim Bundeswettbewerb 2002 den Preis für die beste interdisziplinäre Arbeit.

2002 ist ohnehin ein gutes Jahr für Daniel Gurdan: Auf der Fahrt zum Bundeswettbewerb lernt er Klaus-Michael Doth, einen ehemaligen Bundessieger im Fachgebiet Technik kennen. Die beiden verstehen sich sofort und vereinbaren, etwas zusammen zu erfinden. Heraus kommt ein Ufo, das sehr stabil in der Luft liegt und mit Hilfe eines Handschuhs gelenkt werden kann. Auf dem Bundeswettbewerb 2003 erringen sie mit Hilfe dieses ungewöhnlichen Flugobjektes den vierten Platz im Bereich Technik.

Doch erst nach dem Wettbewerb wird das Ufo zu einem regelrechten "Durchstarter". Ein Artikel in einer Nürnberger Regionalzeitung veranlasst einen Repräsentanten der Spielzeugfirma Silverlit, sich mit den Tüftlern in Verbindung zu setzen. Dann geht alles ganz schnell: Die beiden präsentieren ihr Ufo in Aktion, begeistert von der Technik kontaktiert der Deutschland-Chef sogleich das Hauptbüro in Hongkong, und das wiederum bittet um einen Prototyp. Auch das verbesserte Modell findet großen Anklang, und so folgt auf eine Hobby-Bastelei ein Vermarktungsvertrag.

Im Februar wird das Flugobjekt auf der Spielwarenmesse in Nürnberg als Neuheit vorgestellt. Im September 2004 soll die Produktion mit etwa 20.000 Exemplaren monatlich anlaufen. Bereits auf der Messe sagen Großhändler die Abnahme von 60.000 Ufos zu, mit den Amerikanern steht Silverlit über die Abnahme von 100.000 Flugobjekten in Verhandlung. "Als ich das gehört habe, dachte ich zuerst, das sei ein Witz", gibt ein sichtlich überraschter Nachwuchsunternehmer zu. "Schließlich habe ich schon viel bessere Sachen erfunden, wie den Jonglierhandschuh zum Beispiel. Und da haben zwar viele Interesse gezeigt, aber vermarkten wollte ihn keiner."

Daniel Gurdan ist zwar froh, neben seinem Studium nicht mehr jobben zu müssen, ruht sich aber keineswegs auf seinem Erfolg aus. Ideen sind genug vorhanden, umgesetzt werden sollen diese am liebsten mit Klaus Michael Doth, seinem (J)Ufo-Mitstreiter: "Einen besseren Partner kann ich mir gar nicht vorstellen." An weiteren "Spielereien", wie er sie geheimnisvoll nennt, habe Silverlit bereits Interesse gezeigt. Ein anderes Jugend forscht Projekt ist auf dem Weg zur Vermarktung durch die Firma Kosmos. Sogar die ersten "Geschäftsreisen" kann Daniel Gurdan verbuchen. Im Mai 2004 fliegt er mit Klaus Michael Doth auf Kosten der Firma Silverlit nach Hongkong und besucht anschließend die Produktionsstätte der Ufos in China. "Schließlich ist das für einen Erfinder schon eine große Sache, wenn die eigenen Ideen mal wirklich vermarktet werden. Für mich geht ein Traum in Erfüllung", schwärmt Gurdan.

Jugend forscht beeinflusst auch Daniel Gurdans Studienwahl. Er studiert Elektrotechnik an der TU München und ist gerade in den letzten Zügen seiner Diplomarbeit. Für diese reicht ihm das schöne Bayern aber nicht aus. Der Bundessieger will die ganze Welt erobern – und dafür ist das Beste gerade gut genug. Deshalb packt er im Mai 2006 seine sieben Sachen und steigt in das Flugzeug nach Boston. Dort verbringt der junge Erfinder ein halbes Jahr mit seinem Forschungspartner am renommierten MIT. Es wird mit Robotern unter Wasser experimentiert. Und natürlich hat er seine geliebten UFOs nicht vergessen. Denn in Boston kann er mit der neuesten Technologie seine Jugend forscht Erfindung perfekt weiterentwickeln. Die UFOs finden in Amerika neue Fans und sind dabei, nach China und Hongkong einen weiteren großen Markt zu erobern.

Im Jahr 2007, noch bevor er das Studium abgeschlossen hat, gründet er zusammen mit den Jugend forscht Alumni Klaus-Michael Doth, Jan Stumpf und Michael Achtelik die Firma Ascending Technologies GmbH. Hierfür haben die Entwickler das ehemalige Spielzeug-UFO zu einem professionellen unbemannten Flugobjekt, einem sogenannten UAV, weiterentwickelt. Diese werden vor allem für Vermessungs- und Inspektionsaufgaben, aber auch in der Forschung eingesetzt. Heute gilt die Firma als internationaler Technologieführer auf dem Markt rund um professionelle UAVs. Sie beschäftigt 50 Mitarbeiter und erwirtschaftet mehrere Millionen Euro Umsatz im Jahr.

Neben seiner Karriere ist auch Daniel Gurdans Privatleben eng mit dem Wettbewerb verknüpft. "Ohne Jugend forscht würde es meinen Sohn nicht geben", sagt er und spielt so auf den Umstand an, dass er seine heutige Ehefrau Silvia Gurdan beim Wettbewerb 2001 kennenlernte. Bereits im darauf folgenden Jahr geht das Jungforscherpärchen mit einem gemeinsamen Projekt bei Jugend forscht an den Start, es folgen die Hochzeit und die Geburt des gemeinsamen Sohnes im Jahr 2013.


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